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ÜBER DAS SCHREIBEN

16.11.2015 Allgemein Keine Kommentare

Perspektivenwechsel

Etwas, das mein Schreiben immer wieder beflügelt und manchmal die LeserInnen verwirrt, etwas, das ich aber weder in meinem Leben noch in meiner Kunstarbeit missen möchte, ist ein Perspektivenwechsel.

Er öffnet neue Sichtweisen, kann festgefahrene Geschichten wieder aufbrechen und ins Leben zurück bringen. Die Sichtweise abrupt ändern und damit die eigenen sicheren Meinungen hinterfragen bringt auch Vergnügliches, Spielerisches, wenn das Schreiben eine allzu ernste Angelegenheit zu werden droht.

Diesmal hat mich eine kurze Reise in die Toskana aus dem Alltag geholt. Schon in den überfüllten italienischen Zügen musste ich immer wieder Perspektiven wechseln. Eine Teamsitzung übers Wochenende, eine Projektarbeit an der ich teilnehme, haben mich auf einen Berg in Italien gebracht, an einen Ort, wo ich vor mehr als 20 Jahren lebte und arbeitete.

IMG_3060_bearbeitet-1 Heute Nachmittag hatte ich endlich Zeit für einen Spaziergang – etwas, was man hier nicht wirklich macht, denn man fährt mit dem Auto, um sich fortzubewegen. Ich begab mich zu Fuß in eine Welt kleiner Wege und landwirtschaftlicher Straßen und noch kleinerer Straßen zwischen den Olivengärten, verwilderten Feldern und Weinbergen. Es wurde geerntet. Fünf Bauern schnitten bei der Olivenernte auch gleich die überzähligen Äste ab. Sie lagen auf Haufen, mit ihren silberfarbenen Blättern. Ein Korb mit Lebensmitteln und einer Weinflasche stand im Schatten eines Olivenbaums.

Dieses plötzlich Woanders-Sein empfinde ich als einen wichtigen Teil der Kunst-Arbeit. Vor allem wenn, wie so oft, die alten, sicheren Wege verlassen werden müssen, damit frisch gefundene Worte und Bilder wie Zeichen in jungfräulichen Sand gesetzt werden. Vergänglich, ernsthaft, geträumt, gespielt. Sonnenuntergang zwischen Olivenzweigen. Gut.

 

 

16.11.2015

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