Wie ein Buch gemacht wird
Heute widme ich diesen Blog-Beitrag der Buchproduktion. Wie wird aus einem fertig geschriebenen Text ein Buch?
Viele Menschen, die Bücher lesen, wissen wenig über die Herstellung und den Vertrieb des Buches, das sie soeben lesen. Heute schreibe ich über die materiellen Gegebenheiten für diejenigen, die Bücher schreiben.
Ich betrachte meine Arbeit als die einer Erzählerin. Als solche möchte ich das Erzählte gehört, oder besser noch gelesen wissen. Eine Geschichte, ein Roman, das ist für mich ein Geschenk an die Welt – und das Geschenk soll ankommen. Geschenk ist es deshalb, weil, wie ich gleich berichten werde, das, was ich schreibe, keinen realen Gegenwert in der materialistischen Welt des Geldes findet. Und zwar deshalb:
Als Autorin hatte ich ab 1993 einen Literatur-Agenten, bis dieser sich altershalber zurückzog. Da war ich selbst schon fast 60. Nun ist es so, dass eine nicht sehr bekannte Autorin vom Verlag bei einer Buchpublikation ein Autorenhonorar von etwa 10 – 15% des Buchpreises zugeschrieben bekommt. Ist es ein Taschenbuch mit Auflage 1000 Stück, von denen jedes 20.- CHF oder Euro kostet, ergibt das, falls alle Kopien verkauft werden, ein Honorar von 2000.- CHF oder Euro. Die Agentur erhält einen Anteil dieses Autorenhonorars, ca. 3-5%, also eigentlich nicht sehr viel. Falls die Autorin einen Bestseller landet, hat sich die Investition für die Agentur gelohnt. Agenten sind gut vernetzt und investieren gerne in junge Talente, da besteht die Möglichkeit einer jahrzehntelangen immer erfolgreicheren Geschäftsbeziehung.
2014 – nach einigen erfolglosen Versuchen eine neue Agentur zu finden – bot ich meinen Roman «Der Pilgerweg heim» großen Verlagen an. Denn diese sind die einzigen, deren Buchauflagen hoch sind – wo ich also auch die Chance auf mehr Einkommen durch den Verkauf des Buches habe. Vor allem aber bringt das Prestige, in einem grossen Verlag ein Buch zu veröffentlichen, und das Marketing des Verlagshauses, die Aufmerksamkeit der Medien. Was sich wieder auf die Verkaufszahlen auswirkt. Unaufgefordert eingesendete Manuskripte werden von Verlags-Voluntären mit einem Formbrief versehen und wieder an mich zurückgesendet. Eigentlich gibt es für unaufgefordert eingesandte Manuskripte kein Recht auf Rücksendung oder Antwort.
«Mein Geschenk an die Welt» trifft also auf eine harte kommerzielle Maschinerie. Im Verlagswesen befinden sich zwar viele Menschen, die Bücher gerne haben, Menschen, die glauben zu wissen, was ein guter Text ist. Sie wissen, was ihr Verlag in diesem Moment an Texten braucht. Feinfühlige und gebildete Menschen füttern eine Maschinerie, für die sie arbeiten und die ich als Autorin mit meinem «Geschenk» füttere. Diese Verlags-Maschinerie ist kommerziell ausgerichtet. Viele Verlage sind in den letzten Jahrzehnten zugrunde gegangen und wurden als Hüllen von grossen Verlagshäusern aufgekauft und weiter verwertet. Nach Aussen existieren sie weiter, mit eigenen Namen, doch sie sind ohne Wissen der Leser, Teil eines Imperium geworden.
Entscheide ich mich also bei einem der mittelgroßen Verlagshäuser im deutschsprachigen Raum zu publizieren, gehört dieses meist einem großen Konzern. Ich muss, bevor ich einen Text einsenden darf, im Voraus einige Fragen beantworten, mit einem druckfähigem Foto von mir: Habe ich Instagramm und Facebook? Wie viele Follower/Freunde? Kann ich Kurse geben? Bin ich bereit Internetauftritte zu machen? Und – jetzt kommt der Knackpunkt: Bin ich bereit 300 Exemplare meines Buches bei Erscheinen des Buches abzunehmen? Da ich rechnen kann weiss ich, dass diese 300 Exemplare in etwa den Druckkosten entsprechen. Ich soll also den Druck für mein Buch, schön verkleidet, selbst bezahlen, damit mein Text in einem mittelkleinen Verlag mit klingendem Namen veröffentlicht wird. Das Buch bliebe dann maximal zwei Jahre im Buchhandel erhältlich. Danach wird die Restauflage entsorgt. Diese könnte ich dann zu einem Spezialpreis ebenfalls kaufen. Vorteil ist – auch diese mittelgroßen Verlage haben gute Marketing-Abteilungen und ich kann durch sie bekannt werden .
Als ich mich 2014 entschlossen hatte, nach einer langen Pause wieder ein Buch zu publizieren – den ersten Band der Trilogie Der Pilgerweg heim, habe ich mich mit den verschiedenen Möglichkeiten beschäftigt. Im Hintergrund hatte ich mein eigenes Wissen zum Thema kleine Verlage und deren Vertriebssysteme. Alle Angebote, die ich damals von mittelgrossen oder kleinen Verlagen erhielt, waren darauf ausgerichtet, sich nicht nur meinen über viele Jahre gewachsenen Text, also meine Arbeit, beinahe gratis einzuverleiben, sondern auch darüber zu bestimmen, ob er relativ schnell wieder von der Erdoberfläche verschwinden würde. Den Druck sollte ich zum grossen Teil – indirekt durch Buchabnahmen – auch noch bezahlen.
Daher habe ich mich entschieden, die Trilogie einem winzigen Verlag in der Schweiz anzuvertrauen, der keine Bezahlung für das Verlegen des Buches von mir verlangt und der die Bücher so lange in der Backlist behält, wie Exemplare verfügbar sind. Leider hat er keine eigene Marketing-Abteilung. Um Werbung muss auch ich mich bemühen.
Das Foto zeigt den Druck des Einbandes vom ersten Band der Trilogie «Der Pilgerweg heim», 2015, auf einer Buchdruckmaschine.
BONSAI. Roman. erscheint im November 2020 im Garuda Verlag Schweiz
Bestellen können Sie das Buch in Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Verlag:
ISBN 978 3 906139 38 8 // Softcover, 202 Seiten // Schongau 2020, € 17.90 // CHF 19.80
Garuda Verlag // CH-6288 Schongau, Schweiz // info@garudabooks.ch // shop.garudabooks.ch
14.11.2020